Meinung des Vorsitzenden
zur aktuellen Reichensteuerdebatte
LEITARTIKEL von Dr. Otto Benesch, Vorsitzenden der Bundesvertretung Pensionisten in der GÖD
GÖD-Magazin 04/2009
Wir haben uns in der letzten Zeit daran gewöhnen müssen, dass wirtschaftspolitische
Voraussagen nur mehr Momentaufnahmen sind und daher laufend korrigiert werden.
Leider krass nach unten und je nach Forschungsinstitut immer um Differenzpunkte verschieden, wie nach dem
Motto „derfs ein bisserl mehr sein“. Soweit, so seriös sollte man glauben, wenn da nicht in letzter Zeit
zu den Prognosen die Forderung nach einer sofortigen Steuerreform gekommen wäre, um den Staat die
Einnahmen zu verschaffen, die er für die steigenden Sozialausgaben braucht.
Die Segnungen der jüngsten, hoch gepriesenen Steuerreform sind noch nicht einmal auf den Gehaltskonten
angelangt und schon sind Fachleute am Werk, die das konterkarieren wollen indem sie nämlich der Reform
das Mäntelchen der „Reichensteuer“ umhängen. Das ist schließlich populär und mitreißend, dass nämlich
diejenigen, die am irrwitzigen Finanzdebakel direkt oder indirekt Schuld tragen, auch zahlen sollen.
Natürlich im Inland und für diese Schuldigen werden sich die richtigen Steuern schon finden lassen,
ganz besonders, wenn uns ein Nobelpreisträger bei den meist verschuldeten Staaten in die höchsten Ränge
reiht. Man braucht daher kein Prophet zu sein, um zu sagen, was kommen wird. Der hiefür zuständige
öffentliche Dienst wird im Inland auf die Reise geschickt werden, um die Reichen zu finden die zur
Kasse gebeten werden sollen.
Das klingt genauso, wie die Behauptung jener heimischen Bankmanager über Kredite in Osteuropa,
um die man bangt, die aber ohnehin zu 90 % in EU-Ländern offen sind und da gibt es doch Sicherheiten.
Da uns von den Erfindern der Reichensteuer nicht gesagt wird, wie viel sie bringen soll und die EU
ihre Hilfsgelder im Osten nicht aus Liebe verteilen wird, muss die Steuerreform her, die für neuen
Schwung in der Staatskasse sorgen soll und Schulden müssen schließlich irgendwann auch bezahlt werden.
Da die verantwortlichen Bankmanager Einbußen bei ihren Bezügen hinnehmen müssen, werden sie
bedauerlicherweise nicht mehr zu den Reichen zählen.
Prädestiniert in der Öffentlichkeit ist allerdings der öffentliche Dienst um zur Kasse gebeten zu werden,
aufgebläht und gut verdienend, der obendrein in Krisenzeiten nichts zu befürchten hat, außer er versucht,
seine Rechte, wie jeder andere Werktätige in Österreich geltend zu machen.
Bringt man die große Zahl derer, die schon jetzt keine Steuern zahlen und – bei allem Optimismus – in
nächster Zeit auch nicht zahlen werden können, in Abzug, verbleiben relativ Wenige, die zum Erhalt unseres Gemeinwesens beitragen dürfen, der öffentliche Dienst wird es tun müssen.
Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, was ich hier schon gesagt habe, dass wir nämlich Sparen
gelernt haben, dazu brauchen wir keine vollmundige Politik, aber schon gar nicht brauchen wir jetzt den
Ruf nach Solidarität, der aus verschiedenen Leserbriefecken an uns gerichtet wird. Denn alle diese
Schreiber zahlen keinen Pensionsbeitrag.
Dr. Otto Benesch
[Zurück: Homepage]