|

Ö1 Mittagsjournal (Ö1), 25.01.2007 12:00
Interview mit GÖD-Chef Fritz Neugebauer
Löw Werner
(ORF)
Im ÖGB rumort
es. Der jüngste Bundeskongress sollte eigentlich
einen Neustart bringen, nach der langen internen
Reformdebatte und nach dem BAWAG-Debakel inklusive
Vertrauensverlust der Mitglieder und Verlust des
Langzeitpräsidenten Verzetnitsch. Aber es war, wie
es ein ÖVP-Spitzengewerkschafter formulierte, ein
Startschuss mit Schalldämpfer, sprich mit
einer ordentlichen Verstimmung und zwar wegen der
Abwahl von Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer
aus dem ÖGB-Vorstand, genauer seiner
Nicht-Wieder-Hinein-Wahl. Fritz Neugebauer sieht
darin eine konzertierte Aktion der
SPÖ-Gewerkschafter gegen den ÖVP-dominierten
Beamtenblock. Als Konsequenz werde die
Beamtengewerkschaft jetzt mehr Eigenständigkeit im
ÖGB durchsetzen. Die Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst werde ein eigener Zweigverein und damit
teilweise die finanzielle Eigenständigkeit erlangen.
Im Gespräch mit Andreas Jölli macht Fritz Neugebauer
seinem Unmut kräftig Luft.
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Wir besetzen
eine Position nicht. Das haben die Delegierten mit
einer sehr deutlichen Mehrheit klar gestellt. Was
damit signalisiert wird, ist ebenso klar, nämlich
dass die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst in der
Verantwortung des gesamten ÖGB nicht erwünscht ist.
Jölli Andreas
(ORF)
Ist diese
Verschwörungstheorie nicht ein bisschen weit her
geholt?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Da verschwört
sich niemand. Die, der Kollege Hundstorfer hat ja
den Ruf zur Gemeinsamkeit postuliert vor den Wahlen
am gestrigen Tag, aber offensichtlich haben das die
Sozialisten so verstanden, dass die Gemeinsamkeit
der Sozialisten gegen die Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst stark zu machen ist.
Jölli Andreas
(ORF)
Ist das jetzt,
wie Sie sagen, eine konzertierte Aktion gegen Sie,
gegen die Beamtengewerkschaft oder gegen die
Fraktion Christlicher Gewerkschafter?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Da wird von
allem etwas dran sein, aber in Wahrheit ist es ja
so, dass die Konstruktion des neuen
geschäftsführenden Vorstandes vorgesehen hat, dass
neben dem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten alle
Vorsitzenden, derer Gewerkschaften mit in die
Verantwortung genommen werden und das ist eigentlich
schon sehr bekannt, dass dann eine politische
Mehrheit diesem Grundsatz, den wir gemeinsam
erarbeitet haben, nicht Rechnung trägt.
Jölli Andreas
(ORF)
Wie beurteilen
Sie eigentlich die Abwahl der Frau Csörgits von der
SPÖ?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Das ist keine
gute Visitenkarte der sozialistischen Mehrheit, denn
rein rechnerisch hätte sie müssen eine klare
Mehrheit bekommen. Ein gutes Bild auf die
Frauenpolitik des ÖGB macht es nicht. Auch in dieser
Frage ist der Neustart leider nicht gelungen.
Jölli Andreas
(ORF)
Sie haben
Konsequenzen angedeutet. Was könnten Sie sich denn
da vorstellen?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Ja, man macht
das, was es in der Politik oder auch beim Militär
gibt. Wir werden nächste Woche, werden einen
Zentralvorstand einberufen. Wir werden den Bericht
über die Konferenz in der gesamten Breite bekommen.
Dann gibt es die Analyse der Lage und dann gibt es
die Beschlüsse über die weitere Vorgangsweise.
Jölli Andreas
(ORF)
Was wäre denn
da vorstellbar?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Wenn ich die
derzeit eingehenden Meldungen des Unmuts der
Kollegenschaft registriere, dann wird das eine klare
Botschaft, wie wir sie auch bisher gewohnt waren.
Jölli Andreas
(ORF)
Wäre eine
Abspaltung der GÖD, der Beamtengewerkschaft, aus dem
ÖGB vorstellbar?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Wir haben ja
oder der Bundeskongress hat vorgestern eine Änderung
der Statuten insofern beschlossen, als ja, und das
aus guten Gründen, die Gewerkschaften
Rechtsfähigkeit erhalten sollen und ich gehe davon
aus, dass wir von dieser Möglichkeit auch
entsprechend Gebrauch machen werden.
Jölli Andreas
(ORF)
Das heißt, Sie
könnten sich vorstellen, ein eigener Zweigverein im
Verein ÖGB zu werden?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Das sehen die
Statuten so vor.
Jölli Andreas
(ORF)
Viele sehen
darin dann die Möglichkeit der Zersplitterung des
ÖGB.
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Das ist ja
völlig falsch. Eine Vereinslösung hat einen
Hauptverein, hat Zweigvereine, was aber
Rechtsfähigkeit zwischen den Organen auf Augenhöhe
mit sich bringt. Aber der wirkliche positive
Hintergrund ist im Gegensatz zu dem, was jetzt
passiert ist in den letzten Monaten, nämlich dass
Teile der Zentrale kriminelle Handlungen gesetzt
haben und alle dafür haften müssen. Eine
Vereinslösung mit Haupt- und Zweigvereinen wird die
in die Haftung nehmen, die auch entsprechend
schlecht arbeiten und nicht alle mit in den Sumpf
hinunter ziehen. Es ist eine Frage der politischen
Kultur, dass wir diese Lösung haben. Wir haben sie
und wir werden sie auch gehen.
Jölli Andreas
(ORF)
Der Herr
ÖGB-Präsident Hundstorfer hat jetzt angekündigt,
dass er Ihnen die kooptierte Mitgliedschaft anbieten
würde. Wäre für Sie das ausreichend?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Also, das ist
lieb. So viel Demokrat muss man schon sein. Da gibt
es eine Entscheidung, ob sie mir passt oder nicht.
Diese Entscheidung ist zu respektieren. Da kommt man
nicht durch die Hintertür wieder herein.
Jölli Andreas
(ORF)
Das heißt, Sie
würden dieses Angebot nicht annehmen?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Nein, das
schließe ich aus.
Jölli Andreas
(ORF)
Wir die
Beamtengewerkschaft einen anderen Kandidaten
nominieren für den Vorstand?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Das werde ich
nicht vorschlagen.
Jölli Andreas
(ORF)
Das heißt, der
Vorstand bleibt beamtengewerkschaftsfrei?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Die
Gewerkschaft Öffentlicher Dienst wird dann in diesem
geschäftsführenden Gremium nicht vertreten sein.
Jölli Andreas
(ORF)
Es heißt,
manche haben nicht für Sie gestimmt, weil Sie beim
Kongress nicht anwesend waren. Sehen Sie das auch
so?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Ich habe ja dem
Kollegen Hundstorfer vergangene Woche deutlich
gesagt, dass ich nicht kommen kann. Wenn er das
nicht entsprechend eingebracht hat, tut es mir leid.
Ich denke, dass das eher in der
Dramatisierung
des Kongresses dann halt so ein kleiner Auslöser
war, aber Relevanz dürfte es keine haben.
Jölli Andreas
(ORF)
War es klug,
dass Sie in Straßburg statt in Wien beim Kongress
waren?
Neugebauer
Fritz (GÖD)
Ich habe das
abgewogen, was notwendig ist. Die Vorbereitungen
waren so abgeschlossen und vereinbart, dass
eigentlich alles hätte glatt über die Runden gehen
müssen. Ich habe da kein Problem jetzt mit der
Situation. Das Problem hat in Wahrheit der ÖGB.
Löw Werner
(ORF)
Sagt Fritz
Neugebauer, der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst, nicht mehr im Vorstand des ÖGB.
Quelle: Website
der GÖD |